von Sandro Danilo Spadini
Mit den gemeinsam mit dem amerikanischen Erfolgsautor Paul Auster konzipierten Indie-Hits «Smoke» und «Blue in the Face» drehte sich der Hongkonger Regisseur Wayne Wang 1995 in die Herzen des
Kinopublikums. Die Begeisterung, die sich vor allem auf die Person Auster konzentrierte, ist mittlerweile jedoch verflogen, denn viel Gescheites ist den beiden seither nicht mehr eingefallen. So
enttäuschten etwa Wangs langatmiges Gleichnis «Chinese Box» (1997) und auch das schmalzige Drama «Anywhere But Here» (1999) auf ganzer Linie. Vor zwei Jahren folgte schliesslich eine abermalige
Zusammenarbeit des einstigen Erfolgsduos, doch das etwas reisserisch als «intellektueller Porno» angekündigte Experiment «The Center of the World» bot nebst einigen heissen Szenen mit der schönen
Molly Parker vor allem eines: viel heisse Luft. Frustriert ob dieses neuerlichen Flop, scheint Wang nun resigniert zu haben – zumindest lässt sein gänzlich unambitionierter neuer Film «Maid in Manhattan» diesen Schluss zu. Im Zentrum dieser
Schmonzette steht ein dienstbeflissenes puertoricanisches Zimmermädchen (Jennifer Lopez), welches seine Brötchen in einem Manhattaner Luxushotel verdient und sich in einen dort logierenden
Politiker (Ralph Fiennes) verliebt, der sie für einen der betuchten Hotelgäste hält. Bis das Glück perfekt ist und sich nach über 100 langen Minuten endlich alles in Wohlgefallen auflöst, sind
dann allerdings noch einige sehr vorhersehbare Irrungen und sehr unaufregende Wirrungen zu überstehen.
Stereotype Figuren
Zickige Gäste, ein unzuverlässiger Ex-Mann, ein skrupelloser Wahlkampfmanager, ein überkorrekter Butler, joviale Kolleginnen und natürlich eine toughe, sozial benachteiligte Arbeiterin mit Herz
aus Gold sowie ein lockerer, integrer Politiker mit Herz aus Platin – mit einer solchen Ansammlung von Stereotypen dürfte Wang einen Rekord gebrochen haben. Selbstredend müssen romantische
Komödien nicht Kriterien wie Anspruch und Glaubwürdigkeit gerecht werden. Doch was Wang mit seinem neuen Film auftischt, ist ein – trotz allem Zuckerguss – nachgerade unverschämt fades Menü. Dass
es auch anders geht, hat unlängst Marc Lawrence mit seiner vom Konzept her vergleichbaren Komödie «Two Weeks Notice» bewiesen. Zwar sind auch dort die Figuren weiss Gott nicht frei von Klischees,
doch wenigstens kann Lawrence mit viel Wortwitz, Slapstick und vor allem Hugh Grant und Sandra Bullock aufwarten.
Fehlbesetzt und fantasielos
Leider aber verfügt «Jenny from the Block» nicht über Bullocks komödiantisches Talent, und Ralph Fiennes ist verglichen mit Grant in etwa so charismatisch wie ein Steuerbeamter. Sergio Leone
sagte über Clint Eastwood einst sinngemäss, dass dieser bloss zwei mimische Ausdrucksformen habe: eine mit Hut und eine ohne. Schaut man Fiennes bei seinem Spiel zu, wünscht man sich bisweilen,
er möge sich doch endlich wenigstens einen Hut kaufen. Asche gehört aber in erster Linie auf das Haupt von Wayne Wang, welcher sich über weite Strecken damit begnügt, Lopez‘ makellose, gleichsam
sterile Schönheit in Grossaufnahmen auszuleuchten und seinem weichgespülten, klinisch sauberen Film noch die inzwischen obligate Liebeserklärung an New York beizufügen. «Maid in Manhattan» ist am
Reissbrett geplante, ohne Risiko, Witz und Fantasie inszenierte Dutzendware, bei welcher lediglich J.-Lo-Fans voll auf ihre Kosten kommen dürften. Und was Wayne Wang wohl so als Nächstes plant,
kann nach diesem Film eigentlich niemanden mehr wirklich interessieren.